Ö1

Radiokolleg - Sibirien: Mythen Realität

sibirienRessourcen, Eroberer und Verbannte (3). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch Extreme Kälte, Verbannung und Zwangsarbeit: Das sind die gängigen Assoziationen zu Sibirien. Sie haben ihre Berechtigung. Ein Temperaturspektrum von bis zu 40 Grad plus im Sommer und - zumindest in einigen sibirischen Gegenden- bis zu minus 70 Grad im Winter ist einzigartig. Millionen russischer und sowjetischer Bürger und Bürgerinnen mussten in diesem Klima noch dazu Zwangsarbeit leisten. Was Verbannung und Straflager bedeuteten, kann man bei den Schriftstellern Fjodor Dostojewski Aufzeichnungen aus einem Totenhaus - und Alexander Solschenizyn - Der Archipel Gulag - nachlesen. Der sowjetische Gulag, der auf einer langen zaristischen Straftradition aufbaute, beschränkte sich allerdings nicht auf Sibirien, Lager bestanden auch westlich des Urals, der als Grenze zwischen dem europäischen Teil Russlands und Sibiriens gilt. Sibirien umfasst damit rund drei Viertel des russischen Staatsgebiets. Jahrhunderte vor der Errichtung des ersten sibirischen Lagers interessierten sich russische Kaufleute bereits für die Ressourcen jenseits des Urals. An oberster Stelle für sie standen dabei zunächst die Felle von Zobeln, die auch in Westeuropa in hohem Kurs standen. Zobelfelle wurden bald zu einem wichtigen Tribut, den die russischen Herrscher von den neu eroberten Gebieten in Sibirien einforderten. Die Erschließung Sibiriens begann Ende des 16. Jahrhunderts durch Kosaken, denen bald Händler, Beamte, Bauern und Missionare folgten. Bereits 1639 erreichten die Russen erstmals die pazifische Küste. Der sogenannte Sibirische oder Moskauer Trakt wurde zur zentralen Handelsstraße, über die auch Tee von China bis nach Europa gelangte. Um 1900 wurde die Transsibirische Eisenbahn zur wichtigen Verkehrsachse. Neue Ressourcen wurden entdeckt und vermarktet - wie Gold, Diamanten, Holz und schließlich Erdöl und Erdgas. Dass von dem Reichtum vor allem Moskau profitiert, hat in Sibirien immer wieder zu Verstimmung geführt, gelegentlich auch zu separatistischen Überlegungen. Die Bevölkerungszahl, die in Sibirien stets sehr gering war, ist heute weiter rückläufig. An bedeutenden Universitäten wie in Nowosibirsk oder Tomsk stellen Professoren einen Migrationstrend von Osten nach Westen fest: Studenten kommen aus Ostsibirien und wollen weiter nach Moskau, Petersburg oder überhaut Europa. Der Pioniergeist, der Eroberer, Wissenschafter und Komsomolzen nach Osten führte, gehört der Vergangenheit an. Das bremst nach den Analysen russischer Wirtschaftsexperten auch heutige Pläne für den eurasischen Raum.
Mittwoch 09:05 Uhr

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Bayern 2

radioWissen

RauhnächteRauhnächte Die wilde Jagd der Götter, Geister und Dämonen Frau Perchta Die uralte Göttin zwischen den Jahren Das Kalenderblatt 11.12.1981 Muhammad Alis letzter Kampf Von Thomas Grasberger Rauhnächte - die wilde Jagd der Götter, Geister und Dämonen Autor: Johannes Marchl / Regie: Martin Trauner Neujahr, wo das Alte noch da ist, aber auch das Neue ist schon zu spüren, die längsten Nächte und kürzesten Tage, die Zeit zwischen den Jahren. Die Menschen messen ihnen seit Jahrhunderten eine ganz eigene Bedeutung zu. Vielleicht auch deshalb, weil ihnen wie sonst nie im Jahr bewusst wird, wie nah Ende und Anfang, Nacht und Licht, Geburt und Tod beieinanderliegen. Es sind aber auch die Nächte und Tage, wo man den dunklen Mächten hilflos wie sonst nie im Jahr ausgesetzt ist. Wilde Dämonen und furchtbare Geister, gar die Wilde Jagd rauscht durch diese Nächte. Entsprechend muss man Mensch und Vieh, Hab und Gut vor den Einflüssen der Finsternis beschützen. Zum Beispiel durch räuchern und fasten, beten und böllern. Viele der Mythen und wundersamen Legenden haben sich bis heute gehalten, leicht zu finden in unseren Ritualen. Man muss sich nur die Knallerei an Silvester anschauen, der höllische Lärm soll Geister und Dämonen vertreiben. All die Druden und Hexen, die Luz, Frau Percht, Waldschrate und Holzweiberl, den Teufel nicht zu vergessen - auch den Gevatter Tod. Und natürlich den Göttervater höchstpersönlich, Wotan mit der Wilden Jagd. Frau Perchta - die uralte Göttin zwischen den Jahren Autorin: Birgit Magiera / Regie: Susi Weichselbaumer Sie laufen immer nur in der dunkelsten Zeit des Jahres, im Dezember, bis in den Januar hinein: die Perchten. Uraltes Brauchtum, das vor allem im südöstlichen Oberbayern und Tirol gepflegt wird, wenn furchterregende Maskenträger in Gruppen und unter lautem Krach durch die Ortschaften laufen, als Abwehr-Ritual gegen echte Dämonen. Nur die Hauptfigur fehlt meist zwischen den Läufern: Frau Percht, auch Frau Perchta genannt, die dem Brauch seinen Namen gegeben hat. Wer war diese Gestalt, die tief in vorchristliche Zeiten führt? Ihre Wurzeln liegen irgendwo im germanisch-slawischen Heidentum. Andere vermuten eine Herkunft aus dem Keltischen. Schon der Ursprung ihres Namens ist unklar. Aus dem Althochdeutschen abgeleitet heißt sie "die Glänzende". Sicher ist, dass sie der Frau Holle eng verwandt ist, womöglich ihre süddeutsche Entsprechung. Und was hat die heilige Lucia mit der Perchta zu tun? Dieser Sagengestalt und doppelgesichtigen Fee, uralten Göttin und Wintergeist. Moderation: Florian Kummert Redaktion: Bernhard Kastner
Mittwoch 09:05 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Das ABC der Finanzwelt

weltbankU wie Umschuldung, V wie Versicherung, W wie Weltbank, Z wie Zahlungsverkehr (3). Gestaltung: Gerald Nestler *W wie WELTBANK* Die Weltbank zählt zu den bekanntesten, wirkmächtigsten, aber auch umstrittensten Institutionen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ebenso wie der , ist die Weltbank ein Kind der Nachkriegsordnung. 1944 im Zuge des multilateralen Bretton Woods Abkommens gegründet, das die Weltwirtschaftsordnung und das Finanzwirtschaftssystem bis in die 1970er Jahre bestimmte, übernahm die Weltbankgruppe zuerst den kreditfinanzierten Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten europäischen Staaten. Mit der Zeit wurde die Weltbank zunehmend zur Stabstelle für großangelegte Entwicklungs- und Industrialisierungsprojekte außerhalb Europas. Nach dem Kollaps des Bretton Woods Systems 1973 verschob sich die Politik der in Washington beheimatete Institution zunehmend zu einem System, das Entwicklungsländer insgesamt umstrukturierte. Es beruhte auf dem Rückzug des Staates und gipfelte im "Washington Consensus" von 1990. Im Zuge der hegemonialen Politik der USA (insbesondere gegenüber Lateinamerika) setzten die Strukturanpassungsprogramme und Handlungsanweisungen der Weltbank auf die Steigerung des Wirtschaftswachstums mittels Markliberalisierung, Deregulierungspolitik und Privatisierung. Welche Rolle spielen die Weltbank und ihrer Organisationen heute, nachdem das System des Washington Consensus durch Finanz-, Wirtschafts- und Migrationskrisen überholt ist? Kann diese Institution in Zukunft eine anders definierte Rolle übernehmen oder ist sie das wenn auch mächtige Relikt eines nicht überwundenen Hegemoniedenkens? Befragt werden Expert/innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nach ihrer historischen und zukünftigen Einschätzung.
Mittwoch 09:30 Uhr

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Ö1

Radiokolleg - Der Wiederentdeckung eines Unerwünschten

mieczyslaw weinbergZum 100. Geburtstag des jüdisch-polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (3). Gestaltung: Verena Gruber "Ich sehe es als meine moralische Pflicht, vom Krieg zu schreiben", sagte Mieczyslaw Weinberg, der 1919 in Warschau geboren wurde. Weinberg war Jude und seine einzigartige Biografie verläuft zwischen der nationalsozialistischen und stalinistischen Diktatur. 1939 musste er vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht aus Warschau flüchten, seine jüdische Familie blieb zurück und wurde von den Nationalsozialisten ermordet. Er gelangte in die kommunistische Sowjetunion und ließ sich in Minsk nieder, wo er sein Musikstudium, das er in Polen begonnen hatte, wiederaufnahm. 1941 musste er erneut flüchten und kam schließlich nach Moskau, wo er ein Freund von Dmitri Schostakowitsch wurde. 1953 wurde er unter Stalin inhaftiert und kam erst frei, als Stalin starb. Bis zu seinem Tod im Jahr 1996 lebte Mieczyslaw Weinberg in Moskau. Er war ein unermüdlicher Komponist. Er schrieb wie ein Besessener. Im Komponieren sah er eine Möglichkeit der Bewältigung des Traumas, das er erlitt. Und so steht sein gesamtes Werk im Zeichen des Krieges: Opern, Operetten, Symphonien, Streichquartette, Instrumentalwerke, Kammermusik, Filmmusik und Lieder. Seine bedeutendste Oper, die Auschwitzoper "Die Passagierin", wurde erst 2010, mehr als 40 Jahre nach ihrer Veröffentlichung, bei den Bregenzer Festspielen uraufgeführt. Seitdem erlebt sein Oeuvre eine internationale Renaissance. Im Dezember 2019 jährt sich der 100. Geburtstag von Mieczyslaw Weinberg, der mittlerweile zu einem der bedeutendsten jüdischen Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt. In der Radiokolleg-Reihe spricht Verena Gruber unter anderem mit vielen Musikern und Dirigenten, die sich um die Wiederentdeckung Mieczyslav Weinbergs verdient gemacht haben: Gidon Kremer, Linus Roth, Mirge Grazinyte-Tyla, Oksana Lyniv, Nicolas Altstaedt, Frank Stadler ua.
Mittwoch 09:45 Uhr

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Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

sterbehilfeDie Würde des Menschen Philosophische Grundlagen Sterbehilfe Selbstbestimmung bis zum Schluss? Das Kalenderblatt 11.12.1981 Muhammad Alis letzter Kampf Von Thomas Grasberger Die Würde des Menschen - Philosophische Grundlagen Autor: Michael Conradt / Regie: Irene Schuck Die Würde des Menschen ist im Grundgesetz fest verankert. Dennoch wird sie gegenwärtig kontrovers diskutiert. Ist sie wirklich unantastbar, oder ist es nicht doch in manchen extremen Fällen erlaubt oder sogar geboten, sie zugunsten anderer zentraler Werte einzuschränken, etwa der Rettung akut bedrohter Menschenleben oder der Eröffnung neuer Therapiechancen für bisher unheilbare Krankheiten? Angesichts dieser Konflikte fragt der Beitrag nach den philosophischen Grundlagen der Menschenwürde, die möglicherweise eine Beurteilung aktueller Probleme erleichtern: Was ist die Menschenwürde" Worin ist sie begründet? Wann beginnt und wann endet sie? Gibt es begründete Ausnahmen? Oder auch: Können wir unsere Würde selber verletzen oder verspielen? Sterbehilfe - Selbstbestimmung bis zum Schluss? Autorin: Beate Meierfrankenfeld / Regie: Kirsten Böttcher Dürfen Ärztinnen und Ärzte unheilbar Kranken auf Wunsch beim Sterben helfen? Sollte die ärztliche Aufgabe neu definiert werden - und nicht mehr überall Lebenserhaltung in den Mittelpunkt stellen, sondern auch Unterstützung bei einem Tod in Würde zulassen? Das Thema Sterbehilfe beschäftigt immer wieder Medizinethik, Politik und Justiz. Kritiker der Sterbehilfe fürchten einen Dammbruch: Alte und Kranke könnten unter Druck geraten, ihrem Leben ein Ende zu setzen, auch wenn sie das eigentlich nicht möchten. Befürworter verweisen auf das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen, das auch im Sterben gelten müsse. Die moderne Apparatemedizin kann den Tod immer weiter hinauszögern. Das ist eine Errungenschaft, wirft aber neue Fragen zum Umgang mit dem Lebensende auf. Auch sie gehören zur Debatte um die Sterbehilfe. Und diese Debatte geht tief: Sie berührt das Menschenbild einer Gesellschaft. Moderation: Florian Kummert Redaktion: Bernhard Kastner
Mittwoch 15:05 Uhr

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Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

KathedralenBauten für die Ewigkeit Über die Kunst, Kathedralen zu erhalten Von Mechthild Klein Nicht erst seit dem Brand in Notre Dame sind Dombaumeister besonders gefragte Experten. Sie rekonstruieren und erhalten, was für die Ewigkeit geschaffen war, aber vom Zahn der Zeit angenagt wird. Gotische Kathedralen, romanische Basiliken. In Freiburg wurde der 116 Meter hohe lichtdurchflutete Turmhelm des Münsters vor einem Ruin bewahrt. Die Ecksteine, auf denen der Turm ruhte, drohten zu zerbrechen, nach sieben Jahrhunderten der Beanspruchung durch Wind und Wetter. Die Münsterbaumeisterin verglich das Vorgehen mit einer OP am offenen Herzen. Auf den Ecksteinen ruhten in luftiger Höhe 40 Tonnen Gewicht. Im letzten Jahr wurde die Turmsanierung abgeschlossen. Jetzt geht es mit dem Chor aus dem Spätmittelalter weiter. Im 12./13. Jahrhundert konnten die Bauherren noch nicht die Fliehkräfte berechnen. Oft sind auch keine Baupläne erhalten. So kühn wie in der Gotik haben spätere Baumeister nicht mehr konstruiert. Der Kampf der Bauhütten gegen den Verfall ist heute eine Daueraufgabe, insbesondere angesichts der Luftbelastung mit Stickoxiden, manchmal auch aufgrund von Fehlern früherer Restauratoren.
Mittwoch 19:30 Uhr

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SWR2

SWR2 Feature

cannabisGras als Medizin Wie Deutschland in die Cannabis-Zukunft stolpert Von Nicolas Martin (Produktion: BR / SWR 2019) Seit März 2017 dürfen Ärzte Cannabis in Deutschland als Arzneimittel verschreiben. Doch bisher läuft vieles nicht rund. Eine erste Ausschreibung für den Anbau war fehlerhaft, deshalb muss Cannabis immer noch importiert werden. Politiker agieren als Getriebene von Gerichten, Ärzte sind sich beim Thema nicht einig, es fehlt an Forschung. Leidtragende sind die Patienten, die in den Apotheken oftmals ihre Medizin nicht finden können und die Kosten nicht erstattet bekommen. Dabei könnte medizinisches Cannabis bald ein großes Geschäft werden: Cannabis-Konzerne vor allem aus Kanada drängen auf den deutschen Markt.
Mittwoch 22:03 Uhr

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rbb Kultur

FEATURE

serbienSerbien - Der vergessene Krieg und die Folgen Von Shenja von Mannstein Regie: Thomas Wolfertz Produktion: rbb 2019 - Ursendung -
Mittwoch 22:04 Uhr

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Ö1

Radiokolleg

UmschuldungSibirien: Mythen Realität. Ressourcen, Eroberer und Verbannte (3). Gestaltung: Brigitte Voykowitsch Das ABC der Finanzwelt. U wie Umschuldung, V wie Versicherung, W wie Weltbank, Z wie Zahlungsverkehr (3). Gestaltung: Gerald Nestler Der Wiederentdeckung eines Unerwünschten. Zum 100. Geburtstag des jüdisch-polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (3). Gestaltung: Verena Gruber
Mittwoch 22:08 Uhr

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HR2

Jazzfacts

What"s going on? - Features, Interviews und was die Szene (um-)treibt | Parteiisch, leidenschaftlich, rätselhaft: Eine Liebeserklärung an den Jazz Es muss ja nicht gleich Liebe sein - ein Flirt mit dem Jazz hilft oft auch schon weiter: Ralf Dombrowskis Liebeserklärungen, die vom Wort zur Musik führen
Mittwoch 22:30 Uhr

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